Frankenprey
Barf für Katzen - fast ohne Supplemente

Kritik

Wenn man das Frankenprey-Prinzip mit dem gängigen Supplemente-Barf vergleicht, wird man stutzig. Wofür brauche ich die ganzen Supplemente in Pulverform, wenn es nach Prey Model Raw auch mit viel weniger geht? Ist das dann wirklich ausgewogen? 
Zunächst einmal sollte man festhalten: Auch Knochen und Innereien, wie wir sie beim Frankenprey verwenden, gelten aus Sicht eines Suppi-Barfers als Supplemente. Es sind lediglich die wohl natürlichsten Supplemente in Form von Bestandteilen eines Beutetiers. Man verwendet also durchaus einige Supplemente, ist sich dessen aber nicht so bewusst, da man unter dem Wort "Supplemente" das Bild von Pulvern, Ölen oder anderen Flüssigkeiten im Kopf hat - ein Trugschluss.
Man verwendet in Wirklichkeit auch nicht viel weniger dieser natürlichen Bestandteile als ein Suppi-Barfer an Supplementen in Pulverform benötigt, denn letzteres braucht man immer erst, wenn man einen natürlichen Bestandteil eines Beutetiers nicht im Futter hat - dann verwendet man beispielsweise Leberpulver statt Leber, VitB-Komplex statt Niere, Blutpulver statt Blut oder Knochenmehl und Eierschale statt Knochen.
Der Unterschied zwischen den beiden Barf-Arten ist also nicht allzu groß und wird hauptsächlich davon geprägt, dass Frankenpreyer einfach ein Beutetier prozentual in seinen Bestandteilen nachbauen, während ein Suppi-Barfer genauer auf "den Bedarf" seiner Katze eingeht, Supplemente berechnet und die Möglichkeit hat, statt der natürlichen Bestandteile eines Beutetiers auch andere Supplemente einzusetzen.
 

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Die Schwachstellen des normalen Frankenpreys.
Es ist tatsächlich so, dass das Prinzip seine Schwachstellen hat. Dennoch gibt es Katzen, die, obwohl sie "strikt" nach Prinzip gefüttert werden, kerngesund sind und ein tolles Blutbild haben - das sollte man bei den folgenden Kritikpunkten immer im Hinterkopf behalten.
Sich über die Schwachstellen zu informieren und sich ihrer bewusst zu sein, ist wichtig um entscheiden zu können, ob man sie ausmerzen möchte oder nicht.
Alle Verbesserungen sind auch im Kalkulator wählbar, so bleibt es jedem überlassen, den Kalkulator für normales Frankenprey zu verwenden oder Schwachstellen auszubessern.

Ich habe zur Visualisierung der größten Kritikpunkte die wichtigsten Nährstoffe, ihre Supplemente, also diejenigen Bestandteile, die den größten Teil des Nährstoffs ins Futter bringen, und Funktionen tabellarisch zusammengefasst.
Es gibt natürlich noch eine ganze Menge weiterer Nährstoffe, die aber mit den Futterbestandteilen in ausreichender Menge in das Futter gebracht und daher nicht aufgeführt werden. Ebenso haben die Nährstoffe eine Vielzahl weiterer Funktionen, die hier aufgeführten sollen nur als Beispiel dienen.




Vitamin D und Jod

Fisch ist der natürliche Lieferant für VitD, das für gesunde Zähne und Knochen wichtig ist - jeder Supplemente-Barfer verwendet ihn in seinen Rezepten. Katzen können VitD im Gegensatz zu uns Menschen nicht durch Sonnenlicht selbst synthetisieren!
Außerdem liefert jodhaltiger Fisch Jod, das für Haut & Fell, Immunsystem und auch die Fortpflanzung eine wichtige Rolle spielt.
Nun sieht das Prinzip an sich Fisch nicht als regelmäßigen Nahrungsbestandteil vor, denn Katzen fangen sich in der Natur eher selten Fisch. Der VitD-Bedarf werde schon durch Fleisch gedeckt oder man solle doch öfter mal ein Eigelb verfüttern, darin sei auch viel VitD enthalten, hört man von strikten Preyern - doch sind Katzen Eierdiebe? Wohl eher nicht. Auch ist der VitD-Gehalt in Fleisch oder Ei verschwindend gering.
Wer Fisch verwenden möchte, um den VitD-Bedarf zu decken, kann monatlich etwa 200g thiaminasefreien Fisch wie Regenbogenforelle, Sprotte oder Lachs (um hier ein paar wenige Beispiele zu nennen) verfüttern oder etwa 3% Fisch ins Rezept einbauen. 
Da VitD fettlöslich ist, also gespeichert wird, ist es dabei egal ob der Fisch ein Mal im Monat als ganzes Beutetier auf den Teller kommt oder als Muskelfleisch ins Rezept integriert wird.

Vitamin E
VitE ist ein natürliches Antioxidans, das nicht nur der besseren Haltbarkeit des Futters, sondern auch der Fettverwertung und der Stärkung des Immunsystems dient, zellerneuernd wirkt und nicht zuletzt einen Schutz vor bei der Oxidation des Futters freiwerdenden Radikalen in den Zellen der Katze bildet.
VitE ist immer pflanzlichen Ursprungs, weswegen es logischerweise im Frankenprey-Prinzip nicht in ausreichenden Mengen enthalten sein kann. Der VitE-Bedarf der Katze wird mit 2mg/kg Katze/Tag angegeben und steigt mit erhöhter Fettzufuhr.
VitE kann durch Weizenkeimöl (30g/kg Futter) oder VitE-Tropfen (3-4 Tropfen/kg Futter) supplementiert werden - in Anbetracht des großen Unterschieds in der Dosierungsempfehlung erscheint es logisch, dass die ebenso natürlichen VitE-Tropfen bevorzugt werden sollten um den Katzenkörper nicht mit zu viel pflanzlichen Bestandteilen zu belasten.

Eisen und Natrium
Weder Blut noch Milz gehören laut Prinzip zwingend ins Futter, dabei sind sie beide Lieferanten für Eisen und Blut zusätzlich der Lieferant für Natrium. Blut gilt laut Prinzip generell als optional, Milz zählt als Innerei zu "5% andere Innereien" und kann so je nach Auslegung ebenfalls entfallen.
Da im Fleisch sonst nicht genug Eisen und Natrium enthalten ist, sollte man freiwillig mindestens das Blut zum Pflichtprogramm machen. 

Taurin
Beim Frankenprey wird auf stückiges, rotes Fleisch oder Pute in Kombination mit viel Herz im Futter gesetzt, um den Taurinbedarf der Katze zu decken. Stückig deshalb weil Taurin wasserlöslich ist, je größer die Oberfläche des Fleischs (am größten ist diese natürlich bei gewolftem Fleisch), desto mehr Taurin kann verloren gehen. Zudem bietet eine größere Oberfläche des Fleisches eine größere Angriffsfläche für Oxidation, wodurch der Tauringehalt des Fleischs ebenfalls sinkt.
Hier sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass es "den Taurin-Bedarf X der Katze" gar nicht gibt - je nach Quelle wird ein Taurinbedarf von 20mg/kg Katze/Tag bishin zu pauschalen 250-500mg/Katze/Tag angegeben. Die Maus hat einen Tauringehalt von 240mg/100g.
Nehmen wir an, wir haben ein 100g-Rezept mit 35% (entspricht etwa 1/2 Herz im Muskelfleischanteil) Putenherz im Futter und versuchen auf den Tauringehalt der Maus zu kommen: 
Putenherz enthält 600mg Taurin/100g, in den 35g Putenherz wären somit gut 200mg Taurin enthalten. Es bleiben also 40mg Taurin, die durch die übrigen 65g Fleisch des Rezepts zu decken wären - das ist absolut realistisch.
Auch mit 25% Putenherz würde man noch weit über der niedrigsten Empfehlung von 20mg/kg Katze/Tag bleiben.
Selbst mit 25-35% Hühnerherz (enthält 230mg/100g) im Futter erreicht man die 20mg/kg Katze/Tag noch locker.
Sogar mit Rinderherz ist das noch möglich - aber sein wir ehrlich, wer möchte sich am Minimum orientieren wenn es um so wichtige Organe wie Herz und Augen geht?
Man kann also mit einem angemessen hohen Anteil Puten- oder Hühnerherzen im Futter den Bedarf decken, vorausgesetzt die Katze möchte auf Dauer so viel Herz fressen und verträgt es auch. Für die Abwechslung sollte alle paar Rezepte dennoch auch taurinärmeres Herz verwendet werden.
Die oben verwendeten Werte sind natürlich statistisch und unterliegen in einem Naturprodukt wie Fleisch Schwankungen (abhängig von z.B. Qualität, Haltung, Zeit der Lagerung und Zustand des Fleisches) - es ist leider auch nie gesichert, ob diese Werte für das eigene Fleisch zutreffend sind. 
Wer sich unsicher ist oder einfach nach "better safe than sorry" handeln möchte, kann Taurin zusätzlich supplementieren und je nach dem wie viel er supplementiert auch den Herzanteil verringern.

Wasser

Ausgeblutetes und abgehangenes Fleisch verliert Flüssigkeit. Noch mehr trocknet das Fleisch aus, wenn es im Kühlregal herumliegt, verarbeitet und eingefroren bzw. aufgetaut wird.
Dazu kommt, dass Katzen als Wüstentiere darauf spazialisiert sind, Flüssigkeit über die Nahrung zu sich zu nehmen und nicht zusätzlich zu trinken.
All das sind Gründe, aus denen Barfer normalerweise Wasser zum Futter hinzufügen, aber zum Frankenprey-Prinzip gehört es an sich nicht.
Da die zusätzliche Versorgung mit Wasser für Katzen aber optimal und gesund ist, macht es Sinn auch beim Frankenprey Wasser ans Futter zu geben. Dazu kann man etwa 200-250ml Wasser/kg Futter verwenden oder jeden Tag einen Schuss Wasser über's Futter geben (letzteres spart Platz im Gefrierfach) - natürlich kommt das Wasser dann on Top auf das kg Futter bzw. die Tagesration.


Tiefergehende Informationen befinden sich in den Links.